Corona: Eine Frage des Vertrauens

Glaube
Corona: Eine Frage des Vertrauens

Was wir in Krisenzeiten von Noah lernen können

Davon werden wir wohl unseren Enkelkindern noch erzählen: Als ein Virus unser soziales Leben stilllegte, ein Großteil der Bevölkerung um ihre Existenz bangte und die Gesundheit unserer Lieben auf dem Spiel stand. Mit dieser Erfahrung sind wir allerdings nicht allein. Zur Zeit Noahs gab es zwar (vermutlich) kein Corona, dafür aber ein anderes nie dagewesenes Unheil. Und das dauerte so lange an, dass nichts anderes übrig blieb als warten. Eine Hochschule der Geduld – für Noah und für uns.

„In meiner gesamten Lebenszeit habe ich so etwas noch nie erlebt! Auch vor meiner Zeit hat es das noch nicht gegeben. Seit Wochen gibt es kein normales Leben mehr, auf so vieles müssen wir verzichten.Alles hat sich verändert. Wie soll es weitergehen? Die Unsicherheit nagt an mir. Ich habe Sehnsucht nach meinem normalen Leben. Ausgangssperre – noch nie haben ich oder meine Kinder dieses Wort benutzt, diese Realität erlebt. Eine echte Glaubensprüfung! Unsere momentane Situation scheint geradezu Gottes Hochschule der Geduld zu sein, ein echter Stresstest. In meinem Leben musste ich schon manches im Fach Geduld lernen. Keiner in meiner ganzen Familie musste so lange warten, bis endlich Nachwuchs kam. Letztlich endete unsere Ausgangssperre erst nach einem Jahr und elf Tagen! Mittlerweile hast du sicher erraten, wer ich bin. Tja, noch nie hatte ich ein Schiff mit solchen Dimensionen gebaut – und all das auf trockenem Land. Tag für Tag ein Stück weiterbauen, wobei jeder Tag seine eigene Plage hatte (Mt 6,34). Immer wieder bat ich Gott, dass ich mich nicht zu sehr sorge, sondern vertraue.“

So oder ähnlich mag Noah seine Krisenzeit erlebt haben. Ich könnte mir vorstellen, dass die ersten sieben Tage in der Arche besonders herausfordernd waren. Sicher hörte er viele Stimmen und bekam Informationen von den Menschen, die draußen geblieben waren. Wir hören heute auch so viele Stimmen, werden mit Informationen überflutet. Stimmen, die unseren Glauben hinterfragen – vielleicht sogar in Schieflage bringen? Stimmen, die die Zukunft in dunklen Farben malen. Tausende Menschen sterben und Gott schweigt, heute wie damals?

Was tun, wenn Krisen kommen?


Gott hat die biblischen Geschichten nicht zufällig aufschreiben lassen! Noahs und unsere Situation weisen eine Fülle von Parallelen auf. Geduld war damals wie heute gefragt (Offb 14,12) und ist ein entscheidendes Element einer positiven Charakterentwicklung. Fortschritte sind wohl vor allem durch Zeiten der Herausforderungen und sogar Enttäuschungen möglich. Wobei Geduld auch eine aktive Bedeutung hat – es bezeichnet immer auch ein Tun, nicht nur ein Aushalten. Durch persönliche Erfahrung zu erleben, wie ich Krisen mit Gott durchstehen kann, weil er mir die Kraft dazu gegeben hat und mich hindurchträgt, ist vertrauensstiftend. Zu lernen, geduldig an ihm und seinen Versprechen festzuhalten, macht uns innerlich stark, zuversichtlich und hoffnungsvoll (Rö 5,3-5). Geduld und Vertrauen scheinen dabei Zwillingstugenden zu sein. Und letztlich dient es uns zum Segen, wenn wir in Gottes Hochschule der Geduld eingeschrieben sind.

Das musste ich selbst lernen, als meine Frau an Krebs erkrankte. Es war eine der größten Krisen in meinem Leben. Zu erleben, wie ein geliebter Mensch leidet, sich quält und dem Tode nahe ist, trotz aller Gebete, ist nicht leicht. Fragen der eigenen Kinder zu beantworten, warum Gott das zulässt, erst recht nicht. Manchmal war ich bei der Morgenandacht in Bogenhofen nicht in der Lage mitzusingen. Ein Mensch war uns in dieser Zeit sehr nahe. Er konnte uns verstehen, denn er hatte seine eigene Frau wenige Jahre zuvor durch Krebs verloren. Hat Gott dich in deinem Leben vielleicht durch manche Krise getragen und dich erleben lassen, wie er wirklich ist, damit du für andere sein verlängerter Arm sein kannst?

In der Krise war es für Noah wie für mich eine riesige Hilfe, den Fokus nicht auf die Herausforderung zu richten, sondern auf Gottes Hoffnungszeichen. Durch sein Wort sagte Gott Noah genau wie uns schon in groben Zügen voraus, was auf uns zukommen wird. Wir erleben Schritt für Schritt, wie Gottes prophetische Aussagen sich erfüllen. Manche Phasen hatte sich Noah (wie auch ich mir) etwas kürzer gewünscht – manches war und ist aus unserer begrenzten Perspektive nicht zu verstehen. Es ist und bleibt eine Frage des Vertrauens, dass Gott es gut führt. Wir werden manchmal kräftig durchgeschüttelt, aber so wie Gott die acht Menschen in der Arche durch alle Stürme brachte, wird er, wenn wir seine Hand nicht loslassen, auch uns alle sicher ans Ziel bringen.

Obwohl Noah ein besonderer Mensch war, wird zumindest von einer seiner Schwächen ganz offen berichtet (s. 1. Mo 9,20-27). Noahs Beispiel ermutigt mich, an meinen Schwächen nicht zu verzweifeln, sondern auf die Gnade Jesu (1 Mo 6,8) zu vertrauen. Auf seine verzeihende Milde, auf sein Geschenk der Erlösung, auf das ich keinen Anspruch habe. Seine Gnade zu erfahren, ist wohl die schönste und befreiendste Erfahrung in Noahs wie auch in meinem Leben.

Zeichen der Hoffnung ermutigen zu Vertrauen


Gott wusste, dass trotz der spektakulären Rettungsaktion wohl noch Ängste in den Köpfen von Noah und seiner Familie zurückgeblieben waren. Würde vielleicht eine ähnliche Krise erneut kommen? Deshalb startete er eine besondere Initiative, die viel mehr ist als ein schönes Farbspektakel. Er setzte neben seinem Wort ein besonderes Hoffnungszeichen, dass uns seine Macht und Zuverlässigkeit, seine Liebe, ja seine Vertrauenswürdigkeit bis heute sichtbar werden lässt. Auch in meinen Gedanken spüre ich manchmal die Angst hochsteigen. Jede Tumor-Nachuntersuchung „lädt dazu ein“. Vor allem dann gilt es, auf Gottes Hoffnungszeichen zu schauen, die Mut machen, ihm zu vertrauen! Gerade, wenn es nicht so aussieht, als hätte er alles in seiner Hand.

In Italien kreierten Kinder vor einiger Zeit den Slogan: „Andrà tutto bene“ (Alles wird gut). Und tatsächlich verspricht auch Gott, dass am Ende wirklich alles gut wird. Bis zu diesem Zeitpunkt werden wir weiter durchgeschüttelt. Der Blick auf himmlische Hoffnungszeichen, auf das Happy End, sind Kraftquelle für unser Heute. Halte mal einen Moment inne – erkennst du vielleicht ein solches Hoffnungszeichen Gottes? Spätestens wenn wir einen Regenbogen sehen, können wir uns an das Vertrauen Noahs in seiner Krise erinnern – daran, dass Gott wirklich alles gut werden lässt, auch wenn es stürmt.

Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, sehe ich Gottes wunderbare Führung. Das macht mein Herz dankbar. Ich vertraue, dass letztlich Jesus – und keine Geheimbünde oder die Herrscher einer neuen Weltordnung – die Gegenwart und Zukunft in seiner Hand hat. Das gibt mir Frieden, ja sogar ein Stück weit Gelassenheit. Wenn ich Gottes großen Plan sehe, hilft mir das in meinem Heute. Es war Gottes Geschenk, dass Noahs Leben eine solche Sprache des Vertrauens sprechen konnte – inmitten der Krise, in einem Schiff ohne Steuer. Noah bedeutet „Ruhebringer“, das möchte Jesus auch für uns sein. Er wünscht sich sehr, dass Noahs Lebensgeschichte Inspiration und Kraftquelle für uns ist. Noah und wir sitzen schon machtlos und ein Stück eingesperrt zusammen. Doch in unseren Herzen war und ist uns klar: Papa macht das schon, gerade in Zeiten wie diesen!

Wer mehr von Noah hören und sehen will, findet hier Videoclips passend zum Thema des Artikels: www.adventgemeinde-murrhardt.de/noah

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